Müller: Typisch Damengambit Abtauschvariante - Effektives Mittelspieltraining

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Produktnummer: 10023

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Produktinformationen "Müller: Typisch Damengambit Abtauschvariante - Effektives Mittelspieltraining"
Wer diese oder jene Eröffnung lernen will, kann unter vielen oder gar Dutzenden von Lehrbüchern auswählen. Aber wie sieht es aus, wenn man sich mit der Mittelspielstrategie vertraut machen will, die in Stellungen angewendet werden sollte, die aus genau dieser oder jener Eröffnung hervorgegangen sind? Oder anders ausgedrückt: in Stellungen, die für diese oder jene Eröffnung typisch sind.
Natürlich gibt es in jedem Mittelspiel-Lehrbuch die ein oder andere Stellung, die eindeutig dieser oder jener Eröffnung zugeordnet werden kann. Allerdings ist deren Zahl verschwindend gering im Umfeld von Stellungen aus all den anderen Eröffnungen, die dort exemplarisch behandelt werden. Und somit von lauter Stellungen, deren strategische Behandlung der Leser eigentlich gar nicht erlernen will.
Ist beispielsweise – so fragt der Autor durchaus begründet – die Behandlung der Themen Hängebauern und Minoritätsangriff für einen e4-Spieler nicht ebenso verzichtbar, wie sie für einen d4-Spieler unerlässlich ist? – Warum sollte ein eingefleischter Anhänger indischer Eröffnungen sich für die strategischen Feinheiten von Stellungen interessieren, die aus all diesen komplizierten Damengambit-Systemen resultieren? Und natürlich auch umgekehrt: Was kann ein Spieler mit all diesen Feinheiten indischer Stellungen anfangen, der um Fianchetto-Eröffnungen prinzipiell einen großen Bogen macht?
Und genau dieses ebenso auffällige wie verblüffende Vakuum im Bereich der Mittelspiel-Literatur hat den Autor zu einem Verbesserungsversuch inspiriert: Wer beispielsweise fürs Damengambit typische Mittelspielstrategie lernen will, der bekommt ein Lehr- und Übungsbuch, in dem ausschließlich das Damengambit behandelt wird. Dabei geht es allerdings in diesem Buch zunächst nur um die 'Abtauschvariante' – genauer gesagt: um Stellungen vom Typ 'Karlsbader Struktur' mit weißen Bauern auf d4 und e3 gegenüber schwarzen auf c6 und d5, die typisch für die allermeisten Systeme ist, die aus der Abtauschvariante hervorgehen.
Besondere Erwähnung verdient noch die Tatsache, dass die 120 Übungen zwecks abwechslungsreicher und entsprechend unterhaltsamer Darbietung bestimmten Themen zugeordnet wurden – beispielsweise:
– Aufstiegskandidat
– Abstiegskandidat
– Gewaltmaßnahme oder Drucksteigerung
– einziger Zug
und dergleichen mehr.


178 Seiten, kartoniert Joachim Beyer Verlag

Rezension von Uwe Bekemann im Februar 2024

Der Buchtitel „Typisch Damengambit“ mag auf den ersten Blick auf ein neues Eröffnungswerk hindeuten. Diese Neuerscheinung aus der Feder von GM Karsten Müller ist aber dem Mittelspieltraining zugewendet, wie der Untertitel „Effektives Mittelspieltraining“ bestätigt. Speziell geht es um das Mittelspieltraining von Stellungen, die aus der Abtauschvariante des Damengambits entstanden sind. Erschienen ist dieses neue Buch 2023 im Joachim Beyer Verlag.

Im Kern geht es um 120 an den Leser gerichtete Aufgabenstellungen und die Besprechung der Lösungen darauf. Die Aufgaben werden anhand eines Diagramms, das die Ausgangsstellung anzeigt, und zumeist einer konkret formulierten Frage gestellt. Diese Fragen sind sehr vielgestaltig. Mal ist zu prüfen, ob ein konkretes Bauernopfer korrekt ist, dann ist eine Standardverteidigung als Antwort auf einen bestimmten Zug zu finden oder auch zu prüfen, welcher einzige Zug einen Schaden gerade noch in Grenzen hält. Diese Vielseitigkeit in den Aufgabenstellungen ist Garant dafür, dass die Arbeit mit dem Werk nicht eintönig oder gar langweilig wird.

Nur ausnahmsweise erfährt der Leser nicht mehr als die Partei am Zug. In diesen Fällen einer komplett offenen Herangehensweise ist der Leser fast auf sich allein gestellt und muss ohne einen konkreten Hinweis zur Natur der gesuchten Lösung ans Werk gehen. Einen kleinen Hinweis bekommt er aber doch auch dann, und zwar in der Form der Zuordnung der Aufgabe zu einem bestimmten Aufgabengebiet. Müller hat Kategorien wie „Konkrete Frage“, „Kandidaten“. „Drucksteigerung oder konkrete Aktion?“ oder beispielsweise auch „Einziger Zug“ geschaffen.

Zu jeder Aufgabenstellung ist ein QR-Code abgebildet. Wenn der Leser diesen einscannt, wird er zu einem Online-Angebot von Chessbase geführt. Er landet dann bei der Partie, aus der die Aufgabenstellung entnommen ist. Abgebildet sind die Partiezüge mit Varianten, ohne aber die Texterläuterungen in den Lösungen im Buch.

Den Lösungsteil im Buch findet der Leser en block unmittelbar im Anschluss an die Aufgabenstellungen. Diese sind so ausführlich gehalten, dass sie auch vom weniger erfahrenen Spieler gut nachvollzogen werden können. Auf welcher Buchseite die Lösung zu einer Aufgabenstellung zu finden ist, wird jeweils als „Seitenkorridor“ die Aufgabenstellungen ergänzend angegeben. So ist ein gezieltes Aufschlagen einfach möglich.

Das Buch konzentriert sich auf die Stellungen vom Typ „Karlsbader Struktur“. Diese werden unmittelbar vor dem Aufgabenteil anhand von Diagrammen veranschaulicht.

Über welche Spielstärke sollte der Leser verfügen, um gut mit dem Werk arbeiten zu können? Nach meiner Einschätzung sollte ab dem einfachen Klubspieler jeder damit zurechtkommen. In seinem Vorwort geht Müller darauf ein und zeigt auf, wie schwierig es ist, ein Aufgabenbuch wie das vorliegende in eine Verbindung mit Kategorien der Spielstärke zu bringen. Er rät: „… ganz gleich welche Spielstärke Sie auf die Matte bringen. Nehmen Sie die Beschäftigung mit jeder einzelnen Aufgabe ernst, aber lassen Sie diese auf keinen Fall in Folter ausarten! Sobald Sie auf allzu große Hindernisse oder Widerstände stoßen, schlagen Sie einfach die Lösung auf und funktionieren Sie das Testbuch in ein Lehrbuch um.“

Der Rat passt!

Fazit: „Typisch Damengambit“ ist ein Buch, das eine Lücke in der Schachliteratur füllt. Es erlaubt ein gezieltes Mittelspieltraining ganz speziell für Stellungsmuster („Karlsbader Struktur“), die aus der Abtauschvariante des Damengambits entstehen.

Die Vielseitigkeit der Aufgabenstellungen garantiert, dass keine Langeweile aufkommen kann.

Ich kann das Werk jedem Spieler empfehlen, der sich mindestens dem Leistungsniveau des einfachen Klubspielers zuordnet.


Rezension von Christian Koschetzki im September 2023

Wer kennt das nicht? Man kauft sich ein Buch oder eine DVD über eine vielversprechende Eröffnung, um damit einen Wissensvorsprung gegenüber Anderen zu bekommen, und stellt bei näherer Betrachtung des Mediums fest, dass es nicht auf die Bedürfnisse Einzelner eingeht und dermaßen mit Analysen überfrachtet ist, dass man beim Durcharbeiten den Wald vor lauter Variantenbäumen nicht mehr sieht. Hinzu kommt, dass das Gelernte gelegentlich nicht in der Turnierpraxis angewendet werden kann, da es andere Varianten bzw. verschiedene Übergänge in andere Eröffnungen gibt.

Wer dies bis jetzt geglaubt hatte, wird im Buch von Dr. Karsten Müller „Typisch Damengambit - Abtauschvariante - Effektives Mittelspieltraining“ - eines anderen belehrt. Der Autor hat es im Laufe seiner Schachkarriere zu einer Vielzahl von Büchern gebracht, insbesondere hat er sich als weltbester Endspielexperte hervorgetan.

Warum sollte man aber ein Buch, welches sich mit den Gegebenheiten der Eröffnung bis hinein ins Mittelspiel beschäftigt, überhaupt in Erwägung ziehen, wenn es von einem Endspielexperten stammt? Die Antwort liegt auf der Hand, da das Endspielwissen das Fundament für jede Eröffnung und jedes Mittelspiel bildet. Insoweit war ich sehr gespannt, was mich in dem Buch erwartete.

Es erschien in der 1. Auflage im August 2023 im Joachim Beyer Verlag und enthält auf 178 Seiten neben den 120 Aufgaben eine Vielzahl von zusätzlichen Nuancen. So werden die Bauernstrukturen in dem Buch behandelt, zu denen die Abtauschvariante im Damengambit führen kann.

Aufbauend auf der Karlsbader Bauernstruktur werden zu den einzelnen 120 Übungen Verständnisfragen gestellt, die mit abwechslungsreicher und unterhaltsamer Veranschaulichung dargeboten werden. Damit stellt das Buch neben einem üblichen Lehrbuch ein Übungsbuch dar, um somit einen tiefgreifenden Einblick in die komplexen Mittelspielstrukturen und die strategischen Mittelspielpläne zu vermitteln.

Damit schließt Karsten Müller das Vakuum zwischen Eröffnung und Mittelspiel für das Damengambit – ganz ähnlich, wie er in seinem Buch „Magie der Schachtaktik“ als Pionier die Transformation von Vorteilen erläutert. Man darf also gespannt sein, ob Dr. Karsten Müller auch weitere Eröffnungen mit den dazugehörigen Mittelspielplänen verzahnt, was zu einem Unikum in der Schachliteratur führt. Zielsetzung ist hier, nicht nur dem Clubspieler, sondern auch den Amateuren etwas Handfestes an die Hand zu geben.

Gut gelungen ist der Hinweis im Vorwort, dass dieses Buch nicht an ein gewisses Spektrum der Spielstärke gekoppelt ist, sondern durch den Fleiß jedes Einzelnen ein größtmöglicher Nutzen erreichbar ist. Insoweit animiert der Autor den Leser, den Wert seiner Spielstärke durch eigene Fleißarbeit zu steigern.

Da das Buch gut strukturiert aufgebaut ist, erhält der Leser in den 120 Übungen alle wesentlichen Informationen zur Abtauschvariante des Damengambits. Dabei sind die Aufgaben sehr sorgfältig ausgewählt, wie man es von Dr. Karsten Müller auch nicht anders gewöhnt ist. Der Erfolg der Lektüre in der Turnierpraxis hängt vom Verständnis des Lesers ab, insoweit wird ihm auch nicht „vorgegaukelt“, es sei an eine bestimmte Zielgruppe gerichtet. Von daher eine lohnenswerte Lektüre.



Rezension von Christian Hoethe im September 2023

In den letzten Monaten hatte ich vermehrt die Gelegenheit, wieder ein paar intensivere Blicke in Schachbücher zu werfen. Dabei stach die Neuerscheinung "Typisch Damengambit (Abtauschvariante) – Effektives Mittelspieltraining" aus der Feder von Großmeister Karsten Müller doch heraus.

Wie das? Zuerst einmal, weil es – typisch für GM Müller! – wieder einmal ein Arbeitsbuch ist und den Leser konkret fordert. Schachbücher, die ihren Lesern abverlangen, sich aktiv einzubringen,  sind relativ selten geworden im Vergleich zu Partiensammlungen, mit denen sich der Leser eher "bespaßen" lassen kann. Man merkt es dem Hamburger Großmeister an: Er ist wahrhaftig daran interessiert, seinen Schülern etwas zu vermitteln, etwas, das bleibenden Wert besitzt und im Idealfall noch die Spielstärke steigert. Diese Absicht allein ist schon bemerkenswert!

Nach dem Sizilianer konzentriert sich Müller bei der Partieauswahl – wie der Titel offenbart – diesmal ausschließlich auf Mittelspiel-Stellungen, die aus der Abtauschvariante des orthodoxen Damengambits entstanden sind. Ähnlich wie Lothar Nikolaiczuk in der 90er-Jahre Reihe "Gezielte Mittelspielstrategie", richtet sich der Autor gezielt an Anhänger einer ganz bestimmten Eröffnung, in diesem Band des Damengambits – ganz gleich, ob sie diese Eröffnung mit Weiß oder Schwarz spielen!

Warum das Sinn macht und den Trainingserfolg intensiviert, erklärt der Großmeister sowohl im Vorwort als auch auf dem Klappentext. Auf den Punkt gebracht: Eingefleischte 1. e4-Spieler müssen sich nicht mit Mittelspielstrukturen auseinandersetzen, die aus 1. d4-Eröffnungen entstanden sind und umgekehrt. 

Das Inhaltsverzeichnis ist dabei bewusst nüchtern gehalten und gibt dem Leser keinerlei Hinweise (wie beispielsweise 'Minoritätsangriff') bezüglich der richtigen Antworten auf die 120 Fragen zu entsprechend vielen Partiebeispielen. 

Was mir insbesondere gefällt, ist die Tatsache, dass die Partien nicht erst ab der kritischen Mittelspielstellung gezeigt werden, wie es ja in anderen Büchern häufig der Fall ist. Vielmehr kann man die Züge, die zur jeweiligen Fragestellung führen, am Brett direkt nachspielen! Das gefiel mir schon in Euwe´s "Mittelspiel" und das finde ich bis heute ideal. 

Die Partienauswahl hat mir dabei ebenso gut gefallen: Müller schafft einen idealen Mix der möglichen und typischen Mittelspiel-Pläne und kommentiert dabei wohlwollend ausführlich. Selbst, wer nicht unbedingt aktiv an der Beantwortung der Fragen interessiert ist, sondern nur "einfach so" Partien aus der Damengambit-Abtauschvariante nachspielen möchte, kommt nicht daran vorbei, aus jeder Partie unbewusst doch etwas zu lernen . Und was kann man sich mehr von einem spezialisierten Mittelspielbuch wie diesem erhoffen?  

Fazit: Meiner Meinung nach ein wirklich gutes Mittelspielbuch von Karsten Müller, denn der Titel "Effektives Mittelspieltraining" hält definitiv, was er verspricht! 



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Effektives Mittelspieltraining

Tipp
Müller: Typisch Sizilianisch - Effektives Mittelspieltraining
Wer diese oder jene Eröffnung lernen will, kann unter vielen oder gar Dutzenden von Lehrbüchern auswählen. Aber wie sieht es aus, wenn man sich mit der Mittelspielstrategie vertraut machen will, die in Stellungen angewendet werden sollte, die aus genau dieser oder jener Eröffnung hervorgegangen sind? Oder anders ausgedrückt: in Stellungen, die für diese oder jene Eröffnung typisch sind. Natürlich gibt es in jedem Mittelspiel-Lehrbuch die ein oder andere Stellung, die eindeutig dieser oder jener Eröffnung zugeordnet werden kann. Allerdings ist deren Zahl verschwindend gering im Umfeld von Stellungen aus all den anderen Eröffnungen, die dort exemplarisch behandelt werden. Und somit von lauter Stellungen, deren strategische Behandlung der Leser eigentlich gar nicht erlernen will. Ist beispielsweise – so fragt der Autor durchaus begründet – die Behandlung der Themen Hängebauern und Minoritätsangriff für einen e4-Spieler nicht ebenso verzichtbar, wie sie für einen d4-Spieler unerlässlich ist? – Warum sollte ein eingefleischter Anhänger indischer Eröffnungen sich für die strategischen Feinheiten von Stellungen interessieren, die aus all diesen komplizierten Damengambit-Systemen resultieren? Und natürlich auch umgekehrt: Was kann ein Spieler mit all diesen Feinheiten indischer Stellungen anfangen, der um Fianchetto-Eröffnungen prinzipiell einen großen Bogen macht? Und genau dieses ebenso auffällige wie verblüffende Vakuum im Bereich der Mittelspiel-Literatur hat den Autor zu einem Verbesserungsversuch inspiriert: Wer beispielsweise Sizilianische Mittelspielstrategie lernen will, der bekommt ein Lehr- und Übungsbuch, in dem ausschließlich Sizilianer behandelt werden. Dabei geht es allerdings in diesem Buch zunächst nur um Stellungen vom Typ 'offener Sizilianer' – und zwar um solche mit dem aus den Bauern d6 und e6 bestehenden 'kleinen Zentrum', das für die allermeisten sizilianischen Systeme typisch ist.. Besondere Erwähnung verdient noch die Tatsache, dass die über 150 Übungen zwecks abwechslungsreicher und entsprechend unterhaltsamer Darbietung bestimmten Themen zugeordnet wurden – beispielsweise 'Aufstiegskandidat', 'Abstiegskandidat', 'Gewaltmaßnahme oder Druck- steigerung' und dergleichen mehr. 162 Seiten, kartoniert Joachim Beyer Verlag Rezension von Christian Hoethe im Dezember 2022 Als jemand, der schon immer gern von einer Eröffnung zur nächsten wechselte, um frische Stellungen aufs Brett zu bekommen, hatte ich stets einen "soft spot" für die legendäre Sizilianische Verteidigung. Eine Eröffnung, die Schwarz die statistisch besten Siegeschancen verspricht, dem Anziehenden frühe Vereinfachungen vorenthält und die spannende strategische wie taktische Mittelspielpläne enthält, ist einfach zu gut, um wahr zu sein! Auch die kämpferischsten Weltmeister wie Fischer, Kasparow und Carlsen haben auch den Sizilianer in ihrem Arsenal. Seine große Popularität ist dafür verantwortlich, dass der Sizilianer auch literarisch so beliebt ist wie keine andere Eröffnung. Aber wirklich gleichermaßen fesselnde wie instruktive Bücher zum Sizilianer sind leider selten. Spontan fallen mir Polugajewskis zwei Bände "Im sizilianischen Labyrinth" ein, Ksieskis "Sizilianisch mit e6 und d6 - Mittelspielpraxis", Zellers "Sizilianisch im Geiste des Igels" und erneut Polugajewskis "Sicilian Love". Großmeister Karsten Müller hat sich der Aufgabe gestellt, ein weiteres Buch zur sizilianischen Mittelspielpraxis herauszubringen, das sich allerdings doch wesentlich von den vorgenannten Werken unterscheidet. Analog der Reihe "Gezielte Mittelspielstrategie" aus den frühen 90er Jahren von Lothar Nikolaiczuk richtet sich das Buch Müllers gezielt an Fans einer konkreten Eröffnung, hier: der Sizilianischen Verteidigung. Gegenüber herkömmlichen Mittelspielbüchern hat das den enormen Vorteil, dass man sich ausschließlich "einer großen Sache" widmet und keinen unnötigen Ballast anhäuft, der aus Eröffnungen entsteht, die man womöglich gar nicht im eigenen Repertoire hat. Im Gegensatz zu den vorgenannten Werken jedoch ist Müllers Buch nicht nur vorwiegend "einfaches" Lesevergnügen. Denn wie gleich zu Beginn der Lektüre klar wird, handelt es sich um ein intensives Arbeitsbuch zur Sizilianischen Verteidigung mit mehr als 150 Aufgaben, die aus dem offenen Sizilianer entstanden sind Wer sich mit Schwarz mit Sizilianisch verteidigt oder mit Weiß 1. e4 spielt und entsprechend häufig auf 1...c5 trifft, der ist nach dem Studium dieses neuen Titels aus der Feder von GM Karsten Müller sehr viel besser mit typisch sizilianischen Mittelspielverfahren vertraut! 

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Müller: Typisch Französisch - Effektives Mittelspieltraining
Wer diese oder jene Eröffnung lernen will, kann unter vielen oder gar Dutzenden von Lehrbüchern auswählen. Aber wie sieht es aus, wenn man sich mit der Mittelspielstrategie vertraut machen will, die in Stellungen angewendet werden sollte, die aus genau dieser oder jener Eröffnung hervorgegangen sind? Oder anders ausgedrückt: in Stellungen, die für diese oder jene Eröffnung typisch sind. Natürlich gibt es in jedem Mittelspiel-Lehrbuch die ein oder andere Stellung, die eindeutig dieser oder jener Eröffnung zugeordnet werden kann. Allerdings ist deren Zahl verschwindend gering im Umfeld von Stellungen aus all den anderen Eröffnungen, die dort exemplarisch behandelt werden. Und somit von lauter Stellungen, deren strategische Behandlung der Leser eigentlich gar nicht erlernen will. Ist beispielsweise – so fragt der Autor durchaus begründet – die Behandlung der Themen Hängebauern und Minoritätsangriff für einen e4-Spieler nicht ebenso verzichtbar, wie sie für einen d4-Spieler unerlässlich ist? – Warum sollte ein eingefleischter Anhänger indischer Eröffnungen sich für die strategischen Feinheiten von Stellungen interessieren, die aus all diesen komplizierten Damengambit-Systemen resultieren? Und natürlich auch umgekehrt: Was kann ein Spieler mit all diesen Feinheiten indischer Stellungen anfangen, der um Fianchetto-Eröffnungen prinzipiell einen großen Bogen macht? Und genau dieses ebenso auffällige wie verblüffende Vakuum im Bereich der Mittelspiel-Literatur hat den Autor zu einem Verbesserungsversuch inspiriert: Wer beispielsweise für die ‚Französische Verteidigung' typische Mittelspielstrategie lernen will, der bekommt ein Lehr- und Übungsbuch, in dem ausschließlich französische Mittelspiele behandelt werden. Dabei geht es allerdings in diesem Buch zunächst nur um Stellungen, bei denen den weißen Bauern auf d4 und e5 schwarze auf d5 und e6 gegenüberstehen – bzw. solche, die aus dieser Grundstruktur hervorgehen können. Besondere Erwähnung verdient noch, dass die mehr als 100 Übungen zwecks abwechslungsreicher und entsprechend unterhaltsamer Darbietung bestimmten Themen zugeordnet wurden – beispielsweise ‚Aufstiegskandidat', ‚Abstiegskandidat', ‚Gewaltmaßnahme oder Drucksteigerung', ‚einziger Zug' – aber auch ‚Scherzartikel' und dergleichen mehr. 192 Seiten, kartoniert Joachim Beyer VerlagRezension von Christian Hoethe im April 2024 Großmeister Karsten Müller ist zurück! Nach seinen Mittelspielbüchern "Typisch Sizilianisch" und "Typisch Damengambit" widmet er sich diesmal der "wundervollen französischen Verteidigung" (John Watson)! Wie es Lothar Nikolaiczuk bereits in den frühen 90er Jahren in der Reihe "Gezielte Mittelspielstrategie" tat, richtet sich das Buch Müllers gezielt an die Anhänger der jeweiligen Eröffnung, hier: der französischen Verteidigung. Viele Mittelspielbücher versuchen, der Vielzahl ihrer Leser gerecht zu werden und bieten daher einen bunten Mix der unterschiedlichsten Mittelspiel-Formationen. Letztlich fallen dann vielleicht 6 bis 8 Beispiele auf das eigene Eröffnungsrepertoire ab, wohingegen die meisten Musterpartien aus anderen Eröffnungen entstanden sind - Eröffnungen, die man womöglich niemals spielt. Großmeister Müller widmet sich an die "Spezialisten" einer jeweiligen Eröffnung. Aber Achtung: wer inhaltlich eher leichte Kost und kurzfristige Unterhaltung erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt! Denn bereits unmittelbar nach der Einleitung geht es auf Seite 16 mit den 110 (!) Aufgaben los. Spätestens hier wird klar, dass der Leser ein Arbeitsbuch in den Händen hält, das ihn konkret zum Mitdenken anregt, ihn aktiv fordert, statt passiv berieselt. Wie in den vorangegangenen Mittelspiel-Büchern merkt man es dem Hamburger Großmeister an: er möchte konkretes Wissen vermitteln, wiederkehrende, typische Mittelspielmotive aufzeigen und seinen "Schülern" dabei helfen, ihre Spielstärke zu steigern und sehend auf ihre nächste Französisch-Partie vorbereitet zu sein. Von Seite 45 bis 189 gibt es dann die vollständigen (!) 110 Partien zu den vorangegangenen Aufgaben mit ausführlichen Erklärungen an den kritischen Stellen. Auch mögliche Nebenlösungen bespricht GM Müller ausführlich und zeigt instruktiv auf, warum welcher Weg gewählt wurde oder hätte gewählt werden sollen. Wie schon bei "Typisch Damengambit" und "Typisch Sizilianisch" gefällt mir besonders die Tatsache, dass die Partien nicht erst an der kritischen Mittelspielstellung beginnen. Vielmehr kann man alle Züge, die zur jeweiligen Fragestellung führen, am Brett oder Smartphone mittels QR-Code direkt nachspielen, ohne mühsam die jeweilige Diagrammstellung nachstellen zu müssen. Auch die Partienauswahl hat mir gefallen: Müller schafft einen schönen Mix der möglichen und typischen Mittelspiel-Pläne der üblichen Französisch-Abspiele - Vorstoß-, Tarrasch- und 3. Sc3-Variante - und kommentiert aufs Wesentliche konzentriert. So sieht effektives Mittelspieltraining tatsächlich aus!

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